MeToo-Kino rund um den Weltfrauentag: Ann Lee folgt The Bride!
Es lebe die Braut... Rund um den Weltfrauentag am 8. März starten die aufwendigen `MeToo´-Filme der Regisseurinnen Maggie Gyllenhaal und Mona Fastvold, die - aus unterschiedlichen Gründen - bei den Oscars 2026 keine Rolle spielen.

the bride! - es lebe die braut
Warner - D-Kinostart 05.03.2026
|
|
|
In ihrer zweiten Regiearbeit dreht Maggie Gyllenhaal (Frau im Dunkeln), die auch das Drehbuch geschrieben hat, das berühmte Frankenstein-Thema komplett auf links. In The Bride! steht nicht der Mann im Mittelpunkt, sondern die Frau, die für ihn erschaffen wird. Oder besser gesagt: die Frau, die sich weigert, einfach nur „die Braut“ zu sein. Gyllenhaal bedient sich zwar für ein surreales Schwarz-Weiß-Intro der Figur der „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley, nimmt aber als auf deren Originalstoff sonst eher Bezug auf den Universal-Genreklassiker von 1935 Bride of Frankenstein Bezug (die Fortsetzung von Frankenstein (1931) mit Boris Karloff) inklusive der ikonisch-sturmfrisierten `Braut´ Elsa Lanchester. Die Geschichte beginnt klassisch. Über hundert Jahre nach seiner Erschaffung streift das einsame Monster Frank (Christian Bale − The Dark Knight, American Psycho) noch immer durch die Welt. Auf der Suche nach Gesellschaft wendet es sich an die Wissenschaftlerin Dr. Euphronius (Annette Bening − Nyad,American Beauty), die ihm eine Gefährtin erschaffen soll. Die Wahl fällt auf das ermordete Escort Girl Ida (Jessie Buckley − Hamnet), deren Leiche ausgebuddelt und wieder zum Leben erweckt wird. Doch statt als Partnerin entpuppt sich die Braut als unberechenbare, wütende Figur, die sich nicht in die von Männern für sie vorgesehene Rolle drängen lässt. Gibt Frankensteins Braut Anno 1935 kaum mehr als ein paar erschrockene Schreie von sich, ist sie hier explosive Hauptfigur. Jessie Buckley spielt sie als anarchische Naturgewalt: Sie flucht, spuckt, tanzt und beißt – und schreit irgendwann sogar demonstrativ „Me too“. Subtil ist dieser Feminismus nicht. Visuell bewegt sich The Bride! geschickt zwischen Hommage und Neuinterpretation. Das Retro-Labor erinnert an frühe Frankenstein-Verfilmungen, während Kameraarbeit und Farbpalette deutlich moderner wirken. Kein Zufall: Kameramann Lawrence Sher prägte bereits den Look von Joker. Und tatsächlich trägt auch Gyllenhaals Film etwas von dessen melancholisch-dreckiger Großstadt-poesie in sich - auch die 2026er Braut kommt als eine Art mörderisch-gequälte Kreuzung des Jokers mit der 80´s-Ikone Toyah Willcox daher. Dort wie hier komponierte Hildur Guðnadóttir die Scoremusik. In der zweiten Hälfte kippt die Geschichte endgültig in einen Genre-Mash-up: Aus Monster und Braut wird ein flüchtendes Outlaw-Paar. Die beiden ziehen durch Nachtclubs, Kinos und Hinterhöfe im Chicago der 1930er-Jahre, während ihnen die Polizei im Nacken sitzt. Spätestens hier fühlt man sich überdeutlich an Bonnie & Clyde erinnert – nur eben mit zwei künstlich erschaffenen Antihelden. Das Ergebnis ist ein Film, der sich aus vielen Versatzstücken zusammensetzt: Horror, Roadmovie, Romanze, Gangsterfilm und sogar Musical-Anklänge. Nicht alles davon passt zusammen, es gibt Längen, einige Gewaltexzesse verstören und manchmal wirkt die (erklärtermaßen auf Studioanraten um weitere extremere Szenen bereinigte) Geschichte so zusammengeflickt wie ihre Hauptfiguren. Buch & Regie setzen sich, womöglich gar mit Absicht – zwischen alle Stühle. Doch genau dies scheint Teil von Gyllenhaals Konzept zu sein: eine Art ungehorsames Erzählen. -gb ♦ * Trailer* Deutscher Trailer * Nach der ganzen feministischen Wutparade folgt im Abspann noch etwas ironische Distanz: es läuft Bobby Picketts Horror-Parodie Monster Mashdas One-Hit-Wonder von 1962. -sr ♦
|
the testament of ann lee
20th Century Studios - Searchlight / Disney - D-Kinostart 12.03.2026
|
* Umso ernüchternder, das einmal mehr ein Soundtrack zu einer derart prominent ausgestatteten Großproduktion nur digital und nicht auch in physischen Formaten erhältlich gemacht wird. |
|
Mit The Testament of Ann Lee widmet sich die norwegische Regisseurin & Drehbuchautorin Mona Fastvold (The World to Come, The Sleepwalker) einer historischen Figur, die erstaunlich feministisch-modern wirkt: Ann Lee, Gründerin der religiösen Shaker-Bewegung. Nach ihrer gemeinsamen Arbeit am Drehbuch von The Brutalist, bleibt Fastvold mit Kreativpartner & Ehemann Brady Corbet dem Historien-Epos treu. Ihr neuer Film beginnt im Manchester des 18. Jahrhunderts. Hier wächst Ann Lee (intensiv gespielt von Amanda Seyfried – The Housemaid, Mamma Mia!) als Tochter eines Schmieds auf und arbeitet früh als Weberin. Ihr Leben wird von Verlust geprägt: Vier Kinder sterben kurz nach der Geburt, ihre Ehe ist von sexueller Gewalt überschattet. In dieser existenziellen Krise findet sie Anschluss an die religiöse Erweckungsbewegung der Quäker – und entwickelt daraus eine eigene spirituelle Vision. Lee wird zur zentralen Figur einer Gemeinschaft, die später als Shaker bekannt wird. Die Gruppe predigt Gewaltlosigkeit, strikte Keuschheit & harte Arbeit – aber auch für die damalige Zeit Radikales: Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Hier setzt Fastvolds feministischer Blick an. Ihr Film erzählt nicht nur die Geschichte einer religiösen Bewegung, sondern auch die eines weiblichen Gegenentwurfs zu patriarchalen Machtstrukturen. Ann Lee erscheint als eine Art „weiblicher Christus“, verehrt von ihren Anhängern und zugleich Projektionsfläche für eine utopische Gesellschaft. Statt klassischem Historienkino inszeniert Fastvold diese Geschichte als ekstatisches Musicaldrama. Gesungene Gebete und repetitive Tanzbewegungen strukturieren den Film stärker als Dialoge. Der Name „Shaker“ kommt nicht von ungefähr: Die Gläubigen suchten die Nähe zu Gott durch rhythmisches Schütteln und tranceartige Bewegungen. Komponist Daniel Blumberg, der bereits für The Brutalist 2025 mit dem Filmmusik-Oscar ausgezeichnet wurde, greift historische Shaker-Hymnen auf und verwandelt sie in moderne Kompositionen. Choräle, Gospel-Anklänge & elektronische Klangflächen gehen fließend ineinander über. Gemeinsam mit den expressiven Choreografien von Celia Rowlson-Hall entstehen Szenen, die an rauschhafte spirituelle Performances erinnern. Das ist zunächst beeindruckend intensiv. * Doch die ekstatischen Musik- und Tanzsequenzen ermüden in steter Wiederholung über die 137 Minuten Filmlänge. Auch verzichtet Fastvold weitgehend auf analytische Distanz zur Shaker-Bewegung, sodass Fragen offenbleiben – zum Beispiel, wie eine Gemeinschaft, die absolute Abstinenz fordert, sich auf Dauer nicht selbst abschafft. Das ist unbefriedigend - vielleicht auch deswegen anstelle der 10 Oscar-Nominierungen für The Brutalist 2025 diesmal: nicht eine. -gb ♦ |
this page: cinesoundz - texts © gb / cinesoundz 02-2026 - pics © Warner * Disney/Searchlight Pictures








