Luxus & Laster - Die reichste Frau der Welt vs. Rosebush Pruning
`Eat the rich´... da gab es in letzter Zeit einiges bei den Streaming-Portalen (The White Lotus, Saltburn) & im Kino zu sehen, etwa Polanski´s The Palace, Parasite, The Menu oder Triangle of Sadness. Gleich zwei am 23.4. startende Ensemblefilme tauchen ebenfalls ein in die Welt sehr wohlhabender Familien, deren Gefüge durch Eindringlinge von außen durcheinandergerät. Während Isabelle Huppert als Die reichste Frau der Welt besonders glänzt, tut sich die bereits auf der diesjährigen Berlinale kontrovers aufgenommene, provokante Groteske Rosebush Pruning schwerer.
die reichste frau der welt
Neue Visionen - D-Kinostart 23.04.2026
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Isabelle Huppert zum Thema (& zur Zeit): "Früher zeigten sich reiche Familien kaum in der Öffentlichkeit, sie breiteten ihren Besitz nicht aus. Diese Eleganz ist dahin. Die Reichen heute ersparen uns ihren Reichtum nicht." Regisseur & Co-Drehbuchautor Thierry Klifa interessiert eher die Innenansicht des Phänomens - er realisiert mit Die reichste Frau der Welt eine Verfilmung zentraler Motive aus dem Leben der französischen L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt (mit einem Vermögen jenseits der 100-Milliarden-Dollar realiter die begütertste Frau der Welt) und deren Tochter Francoise Bettencourt-Meyers. In der Titelrolle der Milliardärin Marianne Farrère strahlt einmal mehr die mittlerweile 73-jährige Isabelle Huppert, doch auch das Ensemble mit Laurent Lafitte (als schillernder Fotograf Pierre-Alain Fantin), It´s lonely at the top - im Leben der superreichen Madame Bonjean herrscht bei aller Präzision Leerlauf. Aus Langeweile triezt die elegante Konzernchefin ihre Umgebung mit kleinen oder größeren Bosheiten, etwa wenn sie ihrem Enkel zur Bar Mitswa "seine erste Million" schenkt und dies mit der Bemerkung garniert: "Meine habe ich noch..." Dass die Tochter ihre Erziehung des Spößlings torpediert sieht, stört Marianne wenig: "Was hast Du denn? Wenn er die verprasst, sind wir gewarnt." Die Begegnung mit einem deutlich jüngeren, extrovertierten Fotografen, der die Farrère mit so geistreichen wie wohlkalkulierten kleinen Unverschämt-heiten fasziniert, wird zum Wendepunkt. Der offen "sodomitisch" lebende Künstler nimmt bald immer größere Geldgeschenke von der bezirzten Milliardärin an (auch Immobilien & Kunstwerke sind keine Tabu mehr) und richtet sich als degoutanter Dauergast, Marriannes Umfeld permanent provozierend, im abgestaubten Luxus ein. Was Marrianes Tochter zunächst mit Misstrauen und Schrecken registriert und dann den Rechtsweg beschreitet, um ihre Mutter zurück auf den Pfad der Vernunft zu zwingen.. All das ist - nach belegten Vorkommnissen - als humorvolles, aber nicht plattes, doppelbödig satirisches Dialogfeuerwerk über die Macht des Mammon inszeniert und fällt anhand der aktuellen Diskussionen um den Beitrag Superreicher zur Gesellschaft gegenwärtig auf fruchtbaren Boden. - sr ♦ * Berlinale Film Website * * Neue Visionen-Film-Website * Dem regulären Kinostart war eine Premieren-Tour mit Regisseur Thierry Klifa durch acht deutsche Städte vorgeschaltet (s. Startseite). |
rosebush pruning
MUBI - D-Kinostart 23.04.2026
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Der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz beschäftigt sich in seinem zeitgleich im deutschen Kino startenden Drama Rosebush Pruning mit einer noch wesentlich dysfunktionaleren reichen Familie. Das Drehbuch aus der Feder des regelmäßig für Yorgos Lanthimos (Poor Things) tätigen Efthimis Filippou ist eine gestylte, klaustrophobisch anmutende Neuinterpretation von Marco Bellochios Mit der Faust in der Tasche (von 1965). Wer mit diesem polarisierenden griechischen Duo bisher nicht warmgeworden ist, wird das auch mit keiner der hier mit Aïnouz im Chefsesselvorgeführten, bizarren Figuren erleben. In einer luxuriösen Villa in Spanien leben die US-amerikanischen Geschwister Ed (Callum Turner), Anna (Riley Keough), Jack (Jamie Bell) & Robert (Lukas Gage) mit ihrem erblindeten Vater (Tracy Letts) - und jeder Menge Ennui - in den Tag hinein. Ihre Mutter (Pamela Anderson), so heißt es, ist vor einiger Zeit im das Haus umgebenden Wald von einer Horde Wölfe zerfleischt(!) worden, woran noch ein mysteriöses Opfergaben-Ritual der Familie erinnert, für das die aktuell schwer begehrte französische Kamerafrau Hélène Louvart immerhineindrückliche Bilder findet. Inzest unter den beschäftigungslosen, stets in Designer-Klamotten gewandeten `rich kids´ liegt in der Luft, bis Jack eines Tages seine neue Freundin Martha (eine sommersprossige Elle Fanning) mit `nach Hause´ bringt. In einer der vielen beklemmenden Szenen des Films lässt sich der blinde Hausherr von seiner Brut die Schwiegertochter in spe lüstern inch by inch beschreiben (wenn er nicht noch Abstoßenderes vom Nachwuchs verlangt). Das ganze Treiben endet irgendwann für einige der Charaktere blutig - keine Überraschung mehr. Diese gesellschaftssatirisch intendierte, aber streckenweise schwerfällig inszenierte `Reichtum vs. geistige Verarmung´-Moritat provoziert, wo sie kann, ermüdet ihr Publikum (den Autor dieser Zeilen eingeschlossen) aber damit auch recht bald. OmU-Trailer* Berlinale Film-Website* * MUBI-Film-Website incl. Karim Aïnouz´ früherer Filme Mariner of the Mountains & Motel Destino * Musikalisch interessant: Der Scorestammt vom umtriebigen UK-Klangforscher Matthew Herbert, der hier weniger elektronische Mittel als gewohnt einsetzt - laut Script spielen zwei der weiblichen Rollen Gitarre. Auch Source-Tracks bekommen Raum (Obacht, inkl. Spoiler): der blinde Patriarch findet sein Ende zu Paninaro von den Pet Shop Boys - der Abspann gehört Dave Clarke & Chicks On Speed.
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| pics © Neue Visionen / MUBI ♦ |







