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Corona vs. Kultur, die vierte - Chroniken Teil 1 / Neustart auf Bayerisch

  • Aus dem Vorwort: "Nicht wenige können ihren Beruf, der sehr oft eine Berufung ist, gar nicht oder nur äußerst eingeschränkt ausüben...Die Gesellschaft verkümmert, weil wichtige kulturelle Anregungen und auch Orte der Unterhaltung und Entspannung fast vollständig fehlen." In seiner Reihe Aus Politik & Kultur veröffentlichten Olaf Zimmermann & Theo Geißler für den Deutschen Kulturrat im Spätsommer Die Corona-Chroniken Teil 1, eine 484 Seiten umfassende Sammlung von Beiträgen aus der Zeitschrift des Spitzenverbandes zur Lage in einem besonders vulnerablen Bereich. In acht thematisch sortierten Kapiteln (das letzte vor der Dokumentation mit Resolutionen des Kulturrates wirft auch den Blick in andere europäische Länder) lassen Autorinnen & Autoren wie Katja Wildermuth, Simone Barrientos, Andreas Kolb oder Gerhart R. Baum die letzten 15 Monate von Corona vs. Kultur in Deutschland und damit Zerreißproben in Musik-, Theater-, Tanz- und Kunstbetrieb Revue passieren. Eine Artikel-Überschrift: Die eigentliche Krise kommt noch - die differenzierten Chroniken waren bereits im Sommer´21 auf zwei Bände angelegt, allerdings in der Hoffnung in 2022 dann "The show goes on" vermelden zu können. Wie weit man momentan, in einer vierten Infektionswelle von vorauszusehender, gleichwohl von der Politik komplett unterschätzter Wucht entfernt von einer Entwarnung ist, hätten sich wohl auch die Herausgeber nicht (alb)träumen lassen: angesichts erneuter Kultur-Lockdowns, wie ihn beispielsweise die in Bayern mit 2G+-Vorgaben kombinierte jüngste Regel einer höchstens 25%-igen Auslastung etwa für Kinos, kleinere Theater, Konzertveranstalter und viele im Bereich tätige Solo-Selbstständige bedeutet.
 TIPP

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www.kulturrat.de

 

Die Neustart Kultur-Stipendien - ein Hoffnungsschimmer für Freie? 


Schon angestoßen auf den Erhalt eines der Neustart-Kultur - .Stipendien ..für Künstler & Kreative, jüngst ausgeschrieben u.a. von den Verwertungsgesellschaften VG Bildkunst und VG Wort? Endlich eine Unterstützung, die 1:1 in Projekte, die aus der Krise führen sollen, investiert werden kann!? Freuen Sie sich nicht zu früh...

Die Cinesoundz-Stichprobe dazu: Pustekuchen - die bzgl. München für das Soloselbstständigenprogramm zuständige Regierung von Oberbayern jedenfalls verrechnet das Stipendium auf 12 Monate verteilt in voller Höhe mit dem errechneten sog. Unternehmerlohn, obwohl der, anders als auf Fixkosten beschränkte Überbrückungshilfen, für den Lebensunterhalt weiterhin von der Krise betroffener Kreativer gedacht ist.

Das die Stipendien administrierende Neustart Team der Berliner Stiftung Kulturwerk reagiert wie folgt: "Leider gibt es zu viele verschiedene Regelungen in den einzelnen Ländern und damit verbundenen Finanzämtern." Man verweist auf die "vom BKM, also dem Bund, in die Fördergrundsätze praktisch `hineingeschriebenen´ Einlassungen": Nämlich: "Die Stipendien dienen anderen Zwecken als der Sicherung des Lebensunterhalts. Sie sind deshalb nicht unmittelbar als Einkommen zu berücksichtigen", sondern sollen "vollständig für die künstlerische Erwerbstätigkeit eingesetzt werden", etwa "Recherchieren, Üben, Proben, Trainieren oder die Entwicklung neuer kreativer Ansätze...". Mithilfe des Stipendiums soll der hierfür notwendig materielle Rahmen geschaffen werden." Und wünscht den einzelnen StipendiatInnen bundes-seitig "damit Erfolg gegenüber den bayerischen Behörden." Denen dies offensichtlich wurscht ist: "Leider muss auch das Stipendium Neustart als erhaltene öffentliche Finanzhilfe mit anderem Zweck angerechnet werden, damit es zu keiner Überkompensation kommt." Wieder einmal zieht sich der sogenannte Kulturstaat Bayern in der Corona-Krise aus seiner Verantwortung zurück, sobald eine Bundeshilfe (sei sie auch mit erklärt anderem Zweck initiiert) in Reichweite kommt!

Ein Einzelfall? Auch die Kultur-Lobby ist offensichtlich von dieser (speziell bayerischen?) Auslegung überrascht, bei ver.di, DJV und Kulturrat etwa herrscht diesbezüglich noch Schweigen.

 
1 Slide NeustartKultur

Laufen für die Regierung von Oberbayern unter dem Schlagwort "Überkompensation": Die Neustart Kultur-Stipendien.

© sr - cinesoundz 2021

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    Die Absage fast aller kulturellen Veranstaltungen in der Corona-Krise traf insbesondere Tausende soloselbstständige Kulturschaffende - zum großen Teil bis heute. Bei den Konjunktur`paketen´ wurden Solos im Gegensatz zu Unternehmen lange benachteiligt. Soviel scheint sich daran nicht geändert zu haben... Hier die Cinesoundz-Momentaufnahme aus dem Vorjahr...
 

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