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reviews jazz 02-03 - 2013

* soundtrack * crossover * pop/rock * catalog * jazz * electro * world * audiobook *

 Andrea Balducci - Bloom / Timo Lassy - In With Lassy  
 beide: Schema / Groove Attack  
 
 
Zweimal unverkrampfter Jazz vom italienischen Schema-Label. Zunächst wird dem Crooner-Debüt des unbeschriebenen Blattes Andrea Balducci ein routinierter Background zwischen Pop-, Smooth Jazz & Easy Listening verpasst. Im Hintergrund wirken vornehmlich 3 Finnen & 3 Italiener: Die vom "Five Corners Quintet" bekannten Timo Lassy (s.u. - Tenorsaxophon), Trompeter Jukka Eskola & Drummer Teppo Maykynen auf der finnischen Seite - Gaetano Partipilo (alto sax), Luca Mannutza (p) und Pietro Ciancaglini (b) für die italienische. Letzerer besorgte auch die stimmigen Arrangements, die Balducci durchweg gut aussehen lassen. Auch wenn insgesamt noch das gewisse Etwas fehlt. Da ist Saxophonist Timo Lassy (s.o.), dem Schema Records sein erstes Solo-Album außerhalb Finnlands beschert, schon einen Schritt weiter. "In With Lassy" wurde von seinem Quintett als klassische "Cooking Session" eingespielt und klingt entsprechend frisch & locker. 60s-, Latin-Jazz und Soul haben in diesem Sound ihre Spuren hinterlassen.  
 
 
 Wayne Shorter Quartet - Without A Net  
 Blue Note / EMI  
 
 
Ganz hübsche 43(!) Jahre liegen zwischen dieser und Wayne Shorters bis dato letzten Veröffentlichung auf Blue Note (und fast 50 seit dem ersten BN-Shorter-Soloalbum Die Rückkehr des bald 80-jährigen legendären Saxophonisten (Art Blakey´s Jazz Messengers, Miles Davis Quintet, Weather Report) ist ein weiterer Coup für den neuen Blue Note-Cghef Don Was. Die auf "Without A Net" versammelten Live-Aufnahmen verlangen sporadischen Jazzhörern mit ihren Improvisationsfreiräumen & Bezugspunkten zu klassischer Musik teils Einiges ab. Für Filmmusikinteressierte reizvoll: Mit dem fast 13-minütigen "Flying Down To Rio" (Track 7) ist eine spannungsreiche Interpretation des Titelsongs von Max Steiner zum gleichnamigen Film von 1933 mit Ginger Rogers & Fred Astaire enthalten. www.wayneshorter.com  
 
 
 Aaron Neville - My True Story  
 Blue Note / EMI  
 
 
Blue Note-A&R Don Was wollte diesen Mann unbedingt haben. Carte Blanche also für Aaron Neville bei seinem Debüt für das legendäre Jazz-Label, das seinen Horizont munter erweitert. Ein Doo Wop-Album sollte es sein, back to the roots für den Mann aus New Orleans. "In allem, was ich über die Jahre gemacht habe, steckt Doo Wop drin. Ich habe sozusagen Doo-Wop-o-logie" studiert" meint Neville. Nicht unbedingt der heißeste Sch..., eher gut abgehangene Pop-Historie, aber Aaron N. drückt eh jedem Material den Stempel seines charakteristisch verschnörkelten Gesangsstils auf. Nicht sebstverständlich auch, dass sich zu den gewieften Sessionmusikern auch noch Keith Richards als Gitarrist & Co-Produzent gesellte, aber auch der hatte eben eine lange gehegte Leidenschaft für die frühen Vocal-Groups, von der Don Was wusste. Dass schließlich noch Sänger von damals wie Eugene Pitt (Jive Five), Bobby Jay (Teenagers) oder Dickie Harmon (Del-Vikings) mit dabei waren, muss wohl für Mr. Aaron Neville das Sahnehäubchen gewesen sein.  
 
 
 China Moses & Raphael Lemonnier - Crazy Blues / Cecile Verny - Feat & Faith  
 Decca / Universal * Jazzhaus / In-Akustik LIVE-TIPPs!  
 
 
Die Tochter von Dee Dee Bridgewater und des 1995 verstorbenen Theater-, Film- und Fernsehregisseurs Gilbert Moses präsentiert sich nach Labelwechsel weiterhin im Duo mit dem französischen Jazz-Pianisten Raphaël Lemonnier. Auch "Crazy Blues" ist eine Hommage an Leading Ladies des Blues, Soul & Rock, wie Mamie Smith, Helen Humes, Lil Green, Esther Phillips, Nina Simone, Janis Joplin, Etta James, Ann Peebles oder Donna Summer sowie erneut Dinah Washington, die beide ja bereits bei "This One´s for Dinah"(Blue Note, 2009) mit einem ganzen Album gewürdigt hatten. Gäste u.a. Sly Johnson, die Saian Supa Crew oder Hugh Coltman. Live-Termine Anfang März, u.a. in der Münchner Unterfahrt am 6.3.http://wizee.fr/chinamoses
Ebenfalls im französischen Sprachraum stark verwurzelt ist die Wahl-Freiburgerin Cécile Verny. Das mit ihrem bewährten Quartett (Bassist Bernd Heitzler, Pianist Andreas Erchinger & Drummer Lars Binder) in Auftrittspausen gemeinsam entwickelte, abwechlungsreiche neue Album "Fear & Faith" wurde von Trompeter Nils Wülker produziert, dem man bei Hamburger Elbjazz-Festival begegnete. Von März bis Mai diverse Live-Termine unter: www.cecile-verny.com
 
 
 
 Shanti Snyder - Cloud 9  
 Supertracks - Challenge / Codaex  
 
 
Die Tochter einer japanischen Dolmetscherin für Rockbands wie Queen oder Chicago auf Japantour und des amerikanischen Drummers bei Godiego, einer japanischen Rock-Institution bringt es mit ihren jazznahen Balladen in Nippon mittlerweile selbst zu einiger Bekanntheit. Shanti Snyder aus Kanagawa synchronisiert Animes oder auch mal Scarlett Johansson, moderierte eine Musik-Show und reüssiert in den I-Tunes Charts. "Cloud 9" enthält eine Zusammenstellung von Songs aus ihren bisher nur in Japan veröffentlichten Alben, zweimal Jobim, einmal George Gershwin, einmal Cole Porter und Charles Fox´ "Killing Me Softly", neben 5 Eigenkompositionen. Die neuen Gesangsparts wurden während einer Woche in den Amsterdam Power Sound Studios aufgenommen, wie auch die teils neuen Arrangements ihres Pianisten Marc van Roon und von Trompeter Angelo Verploegen. Für eine internationale Karriere fehlt es Shantis Stimme jedoch etwas an Präsenz - & damit dem Material an zwingenden Argumenten. www.shantisnyder.com  
 
 
 Vogelperspektive Vol.4 - Intensivstation  
 Boomslang   
 
 

Vogelperspektive Nummer 4 nimmt den Hörer mit auf die "Intensivstattion". Der Vorarlberger Schlagzeuger Alfred Vogel spielt diesmal in der gleichnamigen Band mit dem Berliner Gitarristen, Pianisten & Percussionisten John Schröder & dem Berner Bassisten Wolfgang Zwiauer. Nach eigener Einschätzung nicht nur frei improvisiert, sondern auch "hoch energetisch, gleichermaßen poetisch und äußerst phantasievoll." Die Feuilleton-Kritik stimmt dem flächendeckend zu.

Neues aus Bezau - Gleich fünf weitere Alben sind angekündigt...

http://www.traps.at

 
 
 
 Maximilian Geller - Alpenglühen  
 Ozella / Galileo  
 
 
Saxophonist Maximilian Geller ist für Grenzgänge bekannt. 2007 versuchte sich der Schweizer Saxophonist mit seiner Schwester, der Sopranistin Brigitte Geller, an "Opera in Jazz". Nun ist, nach den "Alpenrosen" mit alten Melodien im Jazzmantel von 2011, erneut die Volksmusik dran. Geller geht einen Schritt weiter & offeriert diesmal vor allem Eigenkompositionen. Von Geller selbst, seinem Pianisten Walter Lang oder vom Südtiroler Herbert Pixner, den er in München kennengelernt hat. Und Sängerin Lisa Wahlandt hilft zweimal am Mikro aus, einmal für das eigene Stück "E Bitz Grantig". Almhütte trifft Jazzkeller.

http://maximiliangeller.com

 
 
 
 Yakou Tribe - 100% Results / Ebene Null - Wandertrieb  
 beide: Traumton / Indigo  
 
Zwei auf dem Berliner Traumton-Label beheimatete Jazz-Bands aus Berlin & Köln: Yakou Tribe, an dieser Stelle schon genannt, haben es im musikalischen Schmelztiegel der Haupstadt nun über 10 Jahre & 4 Alben miteinander ausgehalten. Für das aktuelle Werk spielten Gitarrist & Mastermind Kai Brückner & Co. vor allem Material ein, das schon länger im Livebetrieb erprobt war. Yakou Tribe sind vom 22.2. bis 22.3. in loser Folge auf Tour. www.yakoutribe.de 
Die junge Combo "Ebene Null" um Pianist & Bandleader Lucas Leidinger & Co-Komponist & Bassist Stefan Berger hat sich über das Musikstudium in Köln gefunden und verteilt sich demnächst mit ihrer in sicherem Zusammenspiel erarbeiteten Ensemblemusik, die Platz für Improvisation lässt (laut eigener Aussage im Booklet "als Summe seiner Einzelteile...wie blauer Dunst") über die Republik: Ebene Null live ab 17.2. - bis in den April hinein. Check out www.ebenenull.de 
LIVE-TIPPs



 

Fetén

 
Various Artists - Vampisoul / Cargo
TIPP
 
Über spanischen Jazz, noch dazu den der 60er & 70er, dürfte (bis vielleicht auf die Namen Tete Montoliu und Pedro Iturralde) außerhalb der iberischen Halbinsel wenig bekannt sein. Unter der bis 1975 währenden Franko-Diktatur hatte es auch der Jazz schwer, es gab wenig Veröffentlichungen und kaum öffentliches Interesse - ganz anders als in Frankreich oder Italien. Sämtliche Stücke dieser vom kastilischen DJ & Designer Javi Bayo in jahrelanger Kernerarbeit zusammengestellten Kopplung mussten von Original-Sammler-LPs aufgenommen werden - die Masterbänder waren von den Labels zuzeiten schlicht nicht aufgehoben worden. Vorbildlich verpackt ist das Ganze auch noch, im Karton-Digipak mit einem sehr schönen Artwork von Javier Gutierrez, umfassenden Linernotes, Coverabbildungen & Fotos. Das Repertoire hält dann, was die Hülle verspricht, es gibt jede Menge Entdeckungen wie Sängerin Elia Fleta oder einen Titel aus dem Soundtrack zum Film "La Vil Seduccion". Spanischer Jazz, das muss - dank dieser CD - niemandem mehr spanisch vorkommen.  
 
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